Mangel an Mikronährstoffen

Früchteschale

Der Weg zur Gesundheit führt durch die Küche, nicht durch die Apotheke (Sebastian Kneipp).

37 Millionen Menschen in Europa sind gemäss WHO vom qualitativen Hunger bzw. einer Mangelernährung betroffen, bei der zwar genügend Kalorien aufgenommen werden, aber ein gravierender Mangel an essenziellen Mikronährstoffen besteht. In der Schweiz ist rund jede dritte Person, die ins Spital eintritt mangelernährt. Ein Missverhältnis zwischen Energie- und Nährstoffzufuhr ist in allen Bevölkerungsgruppen zu finden. Die meisten Menschen sind gut versorgt, aber auch diejenigen, die sich gesund ernähren, können betroffen sein. Mehr dazu erfährst du im folgenden Text.

Was sind Mikronährstoffe?

Zu den Mikronährstoffen zählen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitaminoide, essentielle Fettsäuren oder Aminosäuren. Sie dienen dem Körper als Baustoffe, Enzym-Aktivatoren und Antioxidantien und können teilweise selbst gebildet oder über die Nahrung zugeführt werden. Mikronährstoffe wirken langsam und anhaltend, regulieren den Stoffwechsel auf natürliche Weise und sorgen für eine optimale Leistungsfähigkeit, indem sie das physiologische Gleichgewicht wiederherstellen oder aufrechterhalten.

Wo liegt das Problem?

Nährstoffverluste in Lebensmittel

Aufgrund von diversen Schadstoffen und verarmter Böden, oft verursacht durch intensive Landwirtschaft, Verdichtung oder Auswaschung, haben viele Lebensmittel in den vergangenen Jahren massiv an Nährstoffen eingebüsst. So enthält zum Beispiel die Kartoffel rund 50 Prozent weniger Magnesium oder der Brokkoli 60 Prozent weniger Folsäure als noch vor 40 Jahren. Die stets empfohlenen 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag reichen nicht mehr aus. Halb- und Fertigprodukte enthalten bis zu 10 Mal weniger Mikronährstoffe im Vergleich zu frisch zubereiteten Speisen.

Keine verlässliche Daten aus der Schweiz

Der 6. Schweizerische Ernährungsbericht von 2012 ist die letzte umfassende Datensammlung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV. Darin steht, dass differenzierte Aussagen bezüglich der Ernährungssituation der Schweizer Bevölkerung erst möglich sein werden, wenn repräsentative Schweizer Studien detaillierte Informatio­nen zum tatsächlichen Verzehr (Verzehrprotokolle) liefern. Dazu wäre eine nationale Ernährungserhebung not­wendig – wie sie in den meisten Ländern Euro­pas vorliegt (Quelle: blv.admin.ch). Aber auch dann wüssten nicht, wie gut die Nährstoffe im Körper zur Verfügung stehen (Bioverfügbarkeit) und von ihm auch genutzt werden können. Dazu müssten nämlich Blutanalysen gemacht werden.

Fakten von Nachbarländern

Unsere Nachbarn wissen es etwas genauer. Dort gab es im Jahr 2012 umfassende Untersuchungen inklusive Verzehrprotokolle und Laboranalysen. Mehr als 20 Prozent der Bevölkerung in Österreich und Deutschland sind unzureichend mit Mikronährstoffen versorgt. Sie weisen deutlich erniedrigte Statuswerte bei Vitamin D, Calcium, Selen und Zink auf. Weitere 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung sind unzureichend mit Vitamin B1, B6, Folsäure, B12 und Eisen versorgt. Weniger als 5 Prozent der Bevölkerung sind mit Magne­sium, Vitamin A, Vitamin K, Vitamin C und den essentiellen Fettsäuren unterversorgt. Man beachte, dass bei weniger als 5 Prozent der Österreicher immer noch rund eine halbe Million Menschen potentiell betroffen sind. Diese Werte dürften auch für die Schweizer Bevölkerung passen. Die Situation hat sich seit 2012 wahrscheinlich kaum verbessert und könnte entscheidend sein für unseren Gesundheitszustand:
gesund -> scheingesund -> ungesund -> krank.

Wer ist davon besonders betroffen?

Nicht jeder hat einen Mikronährstoffmangel, aber es gibt Phasen erhöhten Bedarfs oder Situationen, die langfristig zu einem Mangel führen können. Dazu zählen zum Beispiel Sportler, ältere Menschen, Schwangere und Stillende, Kinder und Jugendliche im Wachstum, Vegetarier oder Veganer, Menschen mit einer Unverträglichkeit oder Menschen, die über längere Zeit Medikamente einnehmen müssen. Im Folgenden möchte ich dazu vier Beispiele machen.

Vier Beispiele

1. Vitamin D

Die Versorgung mit Vitamin D wird haupt­sächlich über die Bildung in der Haut unter Einfluss von Sonnenlicht sichergestellt. Dies ist in der Schweiz nur zwischen April bis September möglich. Ist der Schatten länger als man selbst, so kann man kein Vitamin D produzieren. Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor von 15 oder grösser, reduzieren die Syntheseleistung um 99 Prozent. Eine ausreichende Versorgung ohne Supplementierung ist somit kaum möglich. Die regelmässige Kontrolle des Vitamin D-Spiegels wird empfohlen, denn nur davon kann eine vernünftige Dosierung der Supplementierung abgeleitet werden. Vitamin D trägt u.a. zu einer normalen Funktion des Immunsystems, zur Erhaltung normaler Knochen und Zähne sowie zu einer normalen Aufnahme von Calcium bei. Bei älteren Menschen sowie während einer Schwangerschaft ist eine gute Versorgung mit Vitamin D wichtig.

2. Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren bilden einen guten antientzündlichen Schutz. Sie unterstützen einen normalen Blutdruck, tragen zur normalen Herzfunktion und zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels bei. EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) sind essentielle, aquatische Omega-3-Fettsäuren, die für die Gehirn- und Nervenentwicklung sowie für die Netzhaut benötigt werden. Wer keinen Fisch isst, kann anstelle davon Algenöl zu sich nehmen. Die präventive Einnahme von Algenöl macht ohnehin Sinn, da Fisch als Nahrungsmittel vermehrt durch Umweltgifte belastet ist. Bei Depressionen, Demenz und Alzheimer wird eine therapiebegleitende Supplementierung empfohlen.

3. Arzneimittel-Interaktionen

Medikamenteneinnahmen erhöhen den Bedarf für Mikronährstoffe fast immer, denn Sie können u.a. die Nahrungsaufnahme und den Magen-Darm-Trakt stören, die Ausscheidung erhöhen und die Darmflora verändern. Bei einer längeren Einnahme von Schmerzmitteln wie Aspirin, Voltaren oder Ibuprofen sollten B12, Folsäure, Eisen und Vitamin C-Werte im Auge behalten werden, da es zu Resorptionsstörungen in der Darmschleimhaut (Mucosa) und vermehrter Ausscheidung über die Nieren kommen kann. Orale Kontrazeptiva (Anti-Baby-Pillen) sind Mikronährstoff-Räuber. Sie erhöhen u.a. den Bedarf der B-Vitamine (B6, Folsäure, B12), die für den Homocysteinabbau notwendig sind. Mikronährstoffe sind kein Ersatz für Arzneimittel, aber sie können die Nebenwirkungen von Arzneimitteln lindern und die Wirkung derselben verbessern. Es geht nicht um ein Gegeneinander, sondern vielmehr um ein Miteinander – sie sind Partner bei der Wiederherstellung der Gesundheit.

4. Coenzym Q10

Coenzym Q10 ist ein Vitaminoid (vitaminähnliche Substanz, die vom menschlichen Körper selbst synthetisiert werden kann), das essenziell für die Energieproduktion in den Mitochondrien (unsere Zellkraftwerke) ist. Als starkes Antioxidans schützt es Zellen vor oxidativem Stress. Q10 kommt besonders in energieintensiven Organen wie Herz, Leber und Muskeln vor. Altersbedingt nimmt die Eigensynthese ab. So sind zum Beispiel die Q10-Werte im Herz eines 79-Jährigen um 58 Prozent, diejenigen der Bauchspeicheldrüse um 69 Prozent geringer als die eines 20-Jährigen! Die Einnahme von Statinen (Cholesterinsenker) hemmen zusätzlich die körpereigene Q10-Synthese. Müdigkeit, schnelle Erschöpfung, Muskelschmerzen und Myopathien können eine Folge davon sein. Deshalb kann die Supplementierung von Coenzym Q10 bei Betroffenen zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

Laboranalyse im Vollblut

Was das mit dir zu tun haben könnte

Nimm deine Gesundheit selbst in die Hand und warte nicht ab, bist du krank wirst. Diffuse, unspezifische Symptome können auf einen Mangel hindeuten. Dazu zählen zum Beispiel Leistungsabfall, Müdigkeit, niedrige Stresstoleranz, Infektanfälligkeit, Vergesslichkeit oder Schlafstörungen.

Im obigen Bild siehst du ein Beispiel für die Vollblutdiagnostik von Mineralstoffen. Die Labordiagnostik ist ein wichtiges Werkzeug bei der Erkennung allfälliger Mängeln. Und Mängel können durch Supplementierung von Nahrungsergänzungsmitteln gezielt behoben werden.

Ich habe Ende Januar erfolgreich meine Weiterbildung zum MikronährstoffCoach® abgeschlossen und freue mich, weiteres Wissen mit dir zu teilen. Komm auf mich zu, wenn du Fragen hast oder mehr darüber erfahren möchtest, insbesondere was deine persönliche Situation betrifft.

Und zum Schluss: Bleibe kritisch und wach und glaube nicht alles, was dir erzählt und verkauft wird, bevor du es nicht selbst überprüft hast.

Lieber Gruss,
Christoph