Die Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist (Victor Hugo).
Im Herbst vor fünf Jahren bin ich früh morgens in unsere Hauptstadt gefahren und am Abend mit einem Hang® nach Hause gekommen. In Bern, nördlich vom Hauptbahnhof, unten an der Aare, befindet sich die PANArt Hangbau AG, die 1993 von Felix Rohner gegründet wurde und sich bis heute der Entwicklung und dem Bau von Blechklang-Skulpturen widmet.
Der Begriff Handpan ist für dieses noch sehr junge Musikinstrument geläufiger. Nicht zuletzt, weil der Name Hang® rechtlich geschützt ist und ausschliesslich für Instrumente verwendet werden darf, die von PANArt, dem Erfinder des Handpans, gebaut worden sind. Derzeit gibt es weltweit mehrere Hundert Handpanbauer. Zwischen ihnen und dem Erfinder herrscht Streit – ein Streit um Spekulation mit Instrumenten, billige Nachahmung und Profitgier.
Vom eigenen Erfolg überrannt
Ursprünglich hat PANArt Steelpans gebaut und viel geforscht mit verschiedenen Blechen, Bearbeitungsmethoden und Umformungstechnologien. Durch Zufall fügte sich um die Jahrtausendwende aus zwei herumliegenden Experimenten das Hang® zusammen, das zwei Jahre später an der Musikmesse Frankfurt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Die Resonanz auf dieses Instrument war riesig. Die Menschen waren berührt und konnten den Klang, den sie einmal gehört hatten, nicht mehr vergessen. Sie wollten ihn wieder hören und selber erzeugen können. Genau so berührt war auch ich, als ich vor fünfzehn Jahren in der Marktgasse von Winterthur zum ersten Mal eine Handpan hörte.
Innert weniger Jahren wurden mehrere Tausend Hang® Skulpturen hergestellt und in die ganze Welt exportiert. Doch die rasant steigende Nachfrage konnte bei weitem nicht befriedigt werden, so dass die Instrumente zu Spekulationszwecken missbraucht und damit im Handel Höchstpreise erzielt wurden. Dann tauchten erste Nachahmungen auf und PANArt hat im Jahre 2013 schliesslich die Produktion des Originals eingestellt, um sich zwischenzeitlich dem Bau von anderen Klangskulpturen zu widmen.
Vielfalt dank Weiterentwicklung
Das Original Hang® wird, entgegen einer weit verbreiteten Meinung, seit 2018 wieder hergestellt. Es besteht aus zwei zusammengefügten Halbschalen mit dem „Ding“ (Grundton oben in der Mitte) und sieben Tonfeldern, die kreisförmig angeordnet sind. Die untere Halbschale enthält das „Gu“ (Helmholtzresonator), welches sorgfältig auf das Ding abgestimmt ist. Die Stimmung nennt sich D-Integral. Der Klang des Hang® ist bewusst kurz gehalten, damit kein klanglicher Mischmasch entsteht, sondern ein rhythmisches und transparentes Spiel ermöglicht wird.
Im Gegensatz dazu haben Handpans vielfach weitere Tonfelder, auch auf der unteren Halbschale und sind in beliebigen Skalen (Dur, Moll, keltisch, arabisch etc.) und mit verschiedenen Grundtönen (C#, D, E, F, F#, G etc.) erhältlich. Der Klang der meisten Handpans hält länger an, was für Anfänger zum Spielen einfacher ist. Durch eine gezielte Auswahl von unterschiedlichen Materialien der Schalen (Chromstahl, nitrierter Stahl etc.) und ihrer Eigenart zum Einstimmen der Tonfelder hinterlassen die Handpanbauer in jedem Instrument ihren persönlichen Fussabdruck. Jedes Fabrikat tönt anders und damit scheint die Vielfalt der Handpans nahezu unendlich.
Ein passendes Instrument finden
Die grosse Vielfalt kann einem ganz schnell überfordern. Einsteiger haben die Qual der Wahl. Sie wissen oft nicht, womit sie starten sollen und kaufen für mehrere tausend Franken ein Instrument, welches nicht zu ihnen passt oder mit dem sie nicht glücklich werden. In der Hoffnung, dass es mit einer anderen Skala, noch mehr Tonfeldern oder einem anderen Fabrikat besser wird, kommt dann noch ein zweites oder vielleicht sogar ein drittes Instrument dazu. Später landen die Handpans im Schrank oder werden auf Onlinebörsen zum Verkauf angeboten.
In einem solchen Fall wäre die Miete eventuell eine Alternative. Denn aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich Geschmack und Vorliebe beim Spielen mit zunehmender Praxis verändern. Ich habe lange Zeit nur auf der Skala D-Kurd gespielt und hatte nur ein einziges Instrument, nämlich mein Hang®. Das hat mir geholfen „dran zu bleiben“ und so konnte ich die verschiedenen Möglichkeiten und Spielarten immer wieder neu entdecken.
Gleichzeitig wusste ich, dass ich irgendwann einmal eine andere, nämlich die Pygmy-Skala spielen möchte. Vor vier Wochen, nach genau fünf Jahren, war es dann soweit. Eine F# Low Pygmy hat den Weg zu mir gefunden. Diese Handpan hat 21 Töne und wurde von Rafael Ortega (Mudra Handpan) in Brasilien gebaut. Für mich hätten deutlich weniger Tonfelder auch gereicht, doch ich habe die Handpan auf einer Onlinebörse gesehen und konnte so das fast neuwertige Instrument von jemandem übernehmen.
Auf dem folgenden Video kannst du anhören, wie das Instrument klingt. Für mich tönt diese Skala einfach magisch.
Weitere Hintergrund-Informationen
Falls du mehr über den Ursprung und die Geschichte des Hang® erfahren möchtest, welches die Basis bildet für all die vielen wunderschönen Musikinstrumente, die heute weltweit hergestellt werden, kann ich dir folgende Dokumentation empfehlen:
In diesem Sinne wünsche dir eine frohe Adventszeit und dann auch einen guten (Jahres-)Ausklang. Möge es eine friedliche Einigung zwischen PANArt und den Handpanbauern geben.
Lieber Gruss,
Christoph


